IT-Lösungen für Entsorgungsbetriebe:
Durchblick durch mehrere Dimensionen
Komplexe Betriebsabläufe lassen sich mit durchdachten IT-Lösungen rasch in den Griff bekommen. Sie schaffen Transparenz und ermöglichen sofortige Korrekturen von Fehlern sowie gezielte Maßnahmen zur Optimierung der Kosten. Dies zeigt das Beispiel zweier Abfallbehandlungsanlagen in Berlin.
| Die MPS Betriebsführungsgesellschaft GmbH (Berlin) ist ein gemeinsames Public-Private- Partnership-Unternehmen der Berliner Stadtreinigung (BRS) und der Alba 2 Energy GmbH. Sie betreibt derzeit in den Berliner Bezirken Reinickendorf und Pankow zwei hochmoderne Behandlungsanlagen von Siedlungsabfällen mit einer Kapazität von zusammen 320.000 Jahrestonnen. Hauptzweck der beiden Anlagen ist die geordnete Annahme von ca. einem Drittel des Berliner Hausmülls sowie die Produktion von hochwertigen Ersatzbrennstoffen mittels mechanisch-physikalischer Stabilisierung (MPS). Der gesamte Prozess der Abfallbehandlung unterliegt strengen behördlichen Auflagen, deren Einhaltung exakt nachgewiesen werden muss. Zu diesem Zweck sind unterschiedliche IT Lösungen in Teilbereichen der Anlagentechnik installiert worden. Ein übergeordnetes System zur Beurteilung von technischen und kommerziellen Abläufen wurde manuell auf Basis von MS Excel und ähnlichen Werkzeugen erzeugt. Die Erstellung der Kennzahlen ist zeitaufwändig, Korrelationen zwischen einzelnen Prozessgrößen und Ereignissen lassen sich nur sehr aufwändig durchführen. Diese manuellen Auswertungen sollten mit Hilfe der Videc GmbH (Bremen) durch Einsatz neuester Technologien verbessert werden. Die Automatisierung der Anlagentechnik wurde auf Basis von Siemens Komponenten realisiert. So kommt etwa die Steuerung S7 in Verbindung mit dem Windows Control Center Win CC zur Prozessvisualisierung zum Einsatz. Parallel werden weitere Systeme zur Steuerung der Materialwirtschaft und Instandhaltung verwendet. In der Unternehmensgruppe wird SAP als übergeordnetes ERP Enterprise Resource Planning System betrieben. Die Gewinn- und Verlustrechnung ist das Maß aller Dinge zur Lagebeurteilung eines Betriebes. Detaillierte Betrachtungen beinhalten z.B. die gemeinsame Auswertung von Produktions- und Betriebsdaten sowie von kommerziellen Daten (Energiekosten, Stundensätze, Tarife, Löhne usw.). Dies wird besonders deutlich, wenn Maßnahmen zur Einsparung von Energie oder zum Ausgleich von stark schwankenden Rohstoffpreisen umgesetzt und überwacht werden müssen. Die Lösung der Aufgabe erscheint vordergründig einfach zu sein, denn sämtliche Informationen sind im Detail in den Betrieben vorhanden. Präzisiert man jedoch die Fragestellungen, kommt man rasch zu der Situation, dass Informationen aus unterschiedlichen Datenbeständen selektiert und ausgewertet werden müssen. So ist z.B. im Bereich der Energieeinsparung von Interesse, welche Maschinen einer bestimmten Ausführung in einem ausgewählten Teilbereich des Betriebes zu bestimmten Zeiten betrieben worden sind und speziell in welcher Form diese Antriebe z.B. zur Bildung von Lastspitzen beigetragen haben. |
Eine Vielzahl von Projekten startet mit dem Ansatz, die wichtigsten Informationen zunächst in einer Datenbank zu erfassen. Die Auswertung erfolgt dann in einem zweiten Schritt. Auf dieser Basis werden Datenmengen erzeugt, die nur mit Mühe zu bewältigen sind. Bei der Analyse steht dann zunächst die Zeitachse im Fokus. Hier wird jedoch schnell deutlich, dass sich Abfragen nur begrenzt umsetzen lassen. Weitergehende Analysen sind jedoch möglich, wenn man die Vielzahl der Daten aus einer anderen Sichtweise heraus klassifiziert. Unternehmensdaten wie Messwerte, Kosten, Energieverbrauch, Störungen usw. sowie Dimensionen wie Zeit, Maschinenoder Gerätetypen, Anlagenteile oder Bereiche, Standorte, Sammeltouren, Lagerplätze, Materialzuordnungen, Regionen etc. können dafür verwendet werden. Eine Kombination beider Datentypen bildet die Basis für mehrdimensionale Analysen. Im Hinblick auf eine schnelle Identifikation von Problembereichen ist es erforderlich, dass Ergebnisse dem Entscheider möglichst zeitaktuell vorgelegt werden. In Krisensituationen müssen beispielsweise folgende Fragen umgehend beantwortet werden können: Wo stehe ich mit meinem Prozess heute? Wie ist es zu der aktuellen Situation gekommen? Wohin wird sich mein Prozess entwickeln, wenn nicht eingegriffen wird? Bei der Realisierung des Projekts mussten einige vorab definierte Eckpunkte beachtet werden. So sollten bestehende Systeme möglichst weiter genutzt werden. Neuanschaffungen sollten so geringe Kosten verursachen wie möglich. Die Vorstellung erster Ergebnisse war bereits nach rund acht Wochen fällig. Der Aufbau des Monitoringsystems ist durch Einsatz folgender Komponenten erfolgt:
|
![]() |
![]() |
Die grafische Oberfläche auf dem Bildschirm gibt dem Anwender die Möglichkeit, an den einzelnen Standorten beispielsweise Energie-Verbraucher in einzelnen Bereichen zu selektieren und die laufzeitbedingten Energiekosten darzustellen. Plausibilitätsüberprüfungen liefern einen Eindruck über die Korrektheit einzelner Betriebsaufläufe und helfen z.B. unsinnige Nutzung von Verbrauchern aufzuspüren.
Senkung der Betriebskosten
Bedingt durch die angespannte Situation in den Unternehmen ist die Erwartungshaltung hinsichtlich der Amortisationszeit für derartige Investitionen recht hoch. Ein ROI (return of invest) von weniger als zwölf Monaten ist daher nicht ungewöhnlich. Nach einer recht kurzen Nutzungsdauer von ca. vier Monaten fallen die ersten Eindrücke positiv aus. So konnte etwa eine nahezu vollständige Transparenz in den betrachteten Teilprozessen erreicht werden. ‚Totzeiten’ werden durch sofortiges Erkennen von Datenabweichungen eliminiert, da sofort Gegenmaßnahmen ergriffen werden können. Hierdurch konnten Anlagenverfügbarkeit und durchgesetzte Mengen erhöht werden. Arbeitsabläufe werden gestrafft und Lagerbestände durch Verbrauchanalysen reduziert. Dadurch, dass verfahrenstechnische Prozesse transparenter wurden, konnte zudem die Energieeffizienz gesteigert werden. Alles in allem ermöglicht das System eine Senkung der Betriebskosten.In komplexen Produktionsprozessen können weitere kontinuierliche Verbesserungen nur erreicht werden, wenn die handelnden Personen ein permanent erzeugtes Datenbild über alle relevanten Produktionsdaten zur Verfügung haben, um die Ergebnisse ihres Handelns datenaktuell zu sehen und die Prozesse ohne weiteren Verzug in die richtige Richtung steuern zu können.
Download als PDF

