Blauer Gardasee: Fernwirktechnik auf GPRS-Basis

 

Der Lago di Garda ist Italiens größter See. Der See selbst, aber auch seine nähere Umgebung zählen zu den attraktivsten Urlaubszielen des Landes. Das stellt hohe Anforderungen an die regionale Wasser- und Abwasserversorgung. Mit den Softwaretools I-Fix, Acron, Melsys und ODP sowie Modems von Videc steuert der Betreiber Garda Uno seit 2008 diese erfolgreich und hat darüber hinaus schon jede Menge Geld eingespart.

Neben ca. 100 000 Einwohnern befinden sich über eine halbe Million Touristen von März bis Oktober im Einzugsgebiet des Gardasees. Bereits vor 30 Jahren begann man sich daher auf der Westseite des Gardasees mit der Problematik der Abwasserentsorgung auseinander zu setzen. Diese Aufgabe übernahm Garda Uno, eine gemeinnnützige Aktiengesellschaft, die für den Umweltschutz und die überregionale Wasserbewirtschaftung verantwortlich zeichnet. 1996 wurde in Zusammenarbeit mit einer technischen Universität das proprietäre, italienische Fernwirksystem „Heidi“ für die Pumpstationen installiert.

Doch mit der Implementierung der Trinkwasserversorgung und dem gleichzeitigen Ausbau der regionalen Kläranlage auf 750 000 EW sowie der Errichtung von Kleinkraftwerken für die Druckpumpenanlagen stieß das mittlerweile veraltete Fernwirksystem sehr bald an seine technischen Grenzen und Leistungsfähigkeit. Besonders die hohen Entwicklungskosten zum Beispiel für die Anbindung moderner Steuerungen an das alte System verschlangen einen Großteil des Budgets. Eine Umwälzung dieser Kosten auf den Endverbraucher war nicht möglich und auch nicht gewünscht. So machte sich Garda Uno im Jahre 2007 auf die Suche nach einem neuen Fernwirksystem. „Wir hielten nach einer offenen Lösung Ausschau, bei der es zwar von Zeit zu Zeit starke Veränderungen im Zentrum gibt, die sich aber trotzdem immer wieder an die Gegebenheiten anpasst und funktioniert“, beschreibt Mario Giacomelli, Technischer Direktor des Bereichs Dienstleistungen von Garda Uno.


Offenes Softwarekonzept erfüllt alle Anforderungen

Die Anforderungen von Garda Uno waren anspruchsvoll: So musste das neue System in der Lage sein, die bestehenden Altsysteme zu integrieren aber auch Offenheit für die Zukunft bieten. Mit der Videc GmbH wurde ein Partner gefunden, der mit seiner Gesamtlösung sämtliche Aufgaben einfach und schnell erfüllen konnte. Die Grundlage für die Kommunikation der realisierten Lösung zwischen der Zentrale und den Außenstellen bildet die offene Fernwirkplattform ODP.
Die auf GPRS-Basis agierende Datenübertragung mithilfe von seriellen und TCP/IP-Modems von Dr. Neuhaus ermöglicht die Kommunikation zu nahezu jeglicher Hardware. Ob zu SPS, Automatisierungs- oder Messgeräte – die Kommunikation erfolgt sowohl online oder als im Automatisierungsgerät gepufferte historische Werte mit Zeitstempel.
Im Online-Betrieb kommt die Antwort von allen Stationen innerhalb von zehn Sekunden. Mit ODP lassen sich sogar die Wechselrichter der Photovoltaikanlagen über Modbus-Schnittstellen anschließen. Wenn doch mal eine Verbindung abreißt, können Informationen auch zwischengespeichert werden. Die aktuelle ODP-Plattform ist auf zwei in Padenghe stationierten redundanten Servern aufgebaut. Weiterhin besteht die realisierte Lösung aus dem HMI/Scada-System I-Fix. Das auf Microsoft basierende Scada-System ist sowohl im Kontrollzentrum Desenzano als auch in den dezentralen Anlagen als stationäre Clients und als mobile Web-Clients für die Servicetechniker im Einsatz. Für die Langzeitdatenarchivierung, Auswertung und Analyse setzt Garda Uno Acron ein. Acron zeichnet sich besonders durch das komfortable Reporting aus, ist anlagenübergreifend und werksweit einsetzbar und dokumentenecht. Damit konnten im Sommer 2009 dank Acron bereits Regressforderungen abgewehrt werden. Damals mussten an die 20 Personen mit Vergiftungserscheinungen ins Krankenhaus.
Die Anschuldigungen, dass das Wassernetz von Garda Uno die Ursache für die Vergiftung sei, ließen sich dank der Auswertungen und Protokollierungen über die Wasserqualität aber eindeutig zurückweisen. Zu guter Letzt findet das Alarm- und Störmeldesystem Melsys ebenfalls seinen Einsatz bei Garda Uno. Das Softwarepaket Melsys ermöglicht das Weiterleiten von Meldungen und Störungen aus den dezentralen Automatisierungssystemen an Funkrufempfänger, Telefone, Mobiltelefone und via E-Mail. Damit lassen sich Anlagenstörungen frühzeitig erkennen, die einerseits dem Endkunden lange Ausfallzeiten und andererseits dem Betreiber jede Menge Kosten ersparen.

Das Alarm- und Störmeldesystem Melsys sorgt dafür, dass die Mitarbeiter bei Alarmen entsprechend dem Einsatzplan benachrichtigt werden Pumpstationen mit unterschiedlicher Automatisierungstechnik lassen sich mit dem Fernwirkkonzept ODP zusammenfassen Schneller Überblick über alle wichtigen Informationen


Hohes Einsparungspotential

Insgesamt werden bei Garda Uno derzeit 4 800 Prozessvariablen verarbeitet. Mit Abschluss der Bauphase 2 (Ende 2010) sollen bereits 48 000 Prozessvariablen zwischen den Systemen ausgetauscht werden, die im Endausbau auf geschätzte 270 000 ansteigen werden. Nach oben hin ist dieser Wert aber noch offen, denn laut Generaldirektor Arch.
Franco Richetti soll das Fernwirkzentrum von einer Kostenstelle zu einem Gewinnzentrum mutieren. Der Plan von Arch. Richetti: Die eigenen Anlagen werden zunächst optimiert, den Bürgern und Gemeinden zusätzliche Dienstleistungen zur Verfügung gestellt und letztendlich auch Services an Dritte angeboten. Schritt eins ist bereits in der Realisierungsphase: die Energieoptimierung.
Garda Uno verbraucht derzeit an die 60 Mio. KWh jährlich. Davon werden derzeit 3 % selbst produziert, was etwa 800 000 € ausmacht. Mittelfristig sollen durch den Ausbau von alternativer Energie (Solar, Müllverbrennung, Biomasseheizwerk) der Eigenenergieanteil auf 10 % erhöht werden. Ein ambitionierter Wert, der nach Aussage des Leiters der Abteilung Energie – Ing. Massimiliano Faini – nur mit der Gesamtlösung von Videc realisierbar ist.
Ein Grund für neue Visionen ist mit Sicherheit die einfache und sichere Handhabung der Softwareprodukte. Nach einer kurzen Einschulungsphase in Bremen und Applikationsunterstützung in Desenzano sorgen fünf Mitarbeiter für den sukzessiven Umbau von alter auf neuer Technik. Bereits seit der Auftragsvergabe Mitte 2008 wurden bereits mehr als 200 Altanlagen in das neue System implementiert – in Eigenregie. Dank der offenen Systemstruktur der Softwaretools wurde die Umstellungsphase bis jetzt ohne größere Probleme bewältigt Bis 2010 sollen weitere 200 Trinkwasseranlagen, 240 Abwasseranlagen und 144 Solaranlagen folgen.
Und in Zukunft soll auch die gesamte Müllentsorgung samt Fuhrpark aus der Fernwirkzentrale gesteuert werden. Insgesamt investierte Garda Uno bisher an die 350 000 € in das neue Fernwirkkonzept (Hard- und Software). Eine Summe, die vor allem den Endverbrauchern zu gute kommt. Denn mit diesem Konzept kommen alle Kunden auf die gleichen Gebühren – egal ob dies Gemeinden mit 40 000 oder mit 250 Einwohnern sind. Und alle, Bevölkerung und Touristen, profitieren noch lange von einem See, aus dem in 70 m bis 80 m Tiefe so sauberes Trinkwasser gewonnen wird, dass nachträglich die notwendigen Spurenelemente zugesetzt werden müssen.